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Reise nach Algerien

… unter diesem Titel titelt lapidar der „Terminkalender“ von Angela Merkel:

Mi, 16.07.2008

Am Morgen leitet die Bundeskanzlerin, wie üblich, die Sitzung des Bundeskabinetts.   Anschließend reist Angela Merkel zu einem zweitägigen Besuch nach Algerien. Begleitet wird sie dabei von einer hochrangigen Wirtschaftsdelegation.

Do, 17.07.2008

Gegen Vormittag wird die Bundeskanzlerin mit militärischen Ehren im Präsidentenpalast empfangen. Anschließend trifft sie mit dem algerischen Präsidenten zu einem ausführlichen Meinungsaustausch zusammen.

Voller Freude über das Engagement unserer lieben Frau, aber doch ein bisschen enttäuscht ob der zurückhaltenden Wenigkeit der Informationen über diese kleine Lustreise stöberte ich ein bisschen, ob ich nicht mehr darüber erfahre. Ich weiß zwar, dass Angela Merkel einzig und allein zum Zwecke der Veredelung des Ansehens der Doitschen Wirtschaft um die Gunst anderer Staatenlenker buhlt, doch „Wie macht das „Kohls Mädchen“?, frage ich mich. Schnell schaute ich auf Angelas Blog vorbei und siehe da!

16.07.2008 bis 17.07.2008

Bundeskanzlerin Angela Merkel reist nach Algerien. Sie wird dort unter anderem mit Staatspräsident Bouteflika in Algier zu einem Gespräch zusammenkommen.

Hm, immer noch nicht viel. Ein bisschen schmollend machte ich meine umfangreiche Newsletterbüchse auf – ich kann in so heißen Nächten einfach nicht schlafen, wenn Angela immer so viel unterwegs ist – und fand eine Nachricht von german-foreign-policy.com. Das ist eines dieser Netzblätter, in denen immer irgendwelche Nachwuchspublizisten meinen, den Leuten etwas vom Pferd erzählen zu können. Viele Storys von bösen Politikern, die immer so rumkungeln mit irgendwelchen Wirtschaftsheinis, um uns die Kohle aus der Tasche zu ziehen – unglaubliche Geschichten sag ich Euch.

Dort steht doch tatsächlich, dass die Angela in Algerien Kriegsschiffe und Militärflugzeuge gegen einen besseren Zugang zum algerischen Erdgas tauschen will. Ich dachte, „Hey, was unterstellen die denn der Angela?“, wir brauchen das algerische Gas überhaupt gar nicht, denn wir haben ja die Eon mit ihrem Gas und ökologischem Atomzeugs und außerdem hat der Gerhard ja damals extra für unsere nachhaltige Versorgung den Deal mit den Russen gemacht. Ob sie wohl wieder ihr orangenes Jäckchen am Leibchen hat?

Aber dann der Hammer. Die Eon soll ein kleines Büro umme Egge aufgemacht haben, dort in Algerien und mit der Angela fahren ein Haufen Manager deutscher Energiekonzerne mit. Das hat der Jürgen Thumann gesagt und der muß es wissen, der ist nämlich der Chef vonz Janze beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und der hat Ahnung! [1]

Nun wurde ich ein bisschen wirr, was denn nun der Jürgen auch noch dort will, wo er doch noch vor einem Jahr sachte, dass er zum Beispiel in Sachen Wehrtechnik, Software, IT und Kryptologie überhaupt gar keine Geschäfte mit zum Beispiel den undemokratischen Chinesen machen würde und Algerien ist ja nun nicht gerade ein Ausbund an Demokratie.

Wenn aus dem Ausland – sei es aus China, Russland oder aus anderen Ländern, die viel Geld haben – gezielt politisch versucht wird, Know-how abzuziehen und kein unternehmerisch-wirtschaftliches Interesse besteht, dann sollte die Politik für solche Konstruktionen internationale Instrumente prüfen„, sagte der Unternehmer, der für seine eigene Firma chinesische Teilhaber ausschließt, obwohl er an der letztjährigen Chinareise von Bundeskanzlerin Angela Merkel teilnahm und in China eine Fabrik für Batterie-Teile betreibt. [2]

Ich dachte mein Schwein pfeift und beruhigte mich ein bisschen bei dem Gedanken, dass der wahrscheinlich nur mitfährt, um zu gucken, das da auch kein Schmuh gemacht wird, weil er ja auch sachte: „Die sich häufenden Berichte über Unregelmäßigkeiten seien „für die Akzeptanz unseres Wirtschaftssystems verheerend“. Die Öffentlichkeit sehe darin „einen Systemfehler, einen Fehler der sozialen Marktwirtschaft“. Dabei handele es sich „eindeutig um individuelles Fehlverhalten“. [3]

Genau, dachte ich mir und las weiter. Und als hätte ich es geahnt – die Burschen von der Außenpolitiküberwachung ließen nicht locker. Ha, da schrieben die doch tatsächlich, dass der Regionaldirektor Nordafrika/Mittelost des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Eckart von Unger, bestätigte, dass die Bundesregierung die Lieferung von Kriegsschiffen und Militärflugzeugen in Aussicht gestellt hätte und daneben deutsche Armee- und Polizeifahrzeuge in Algerien produziert werden könnten. Voll das Wirtschaftsbashing! Als hätten wir hier nicht genug Arbeitslose, denen die Angela immerhin 1.200 Jobs am Tag vor die faulen Füße schmeißt und damit in 25 Jahren Vollbeschäftigung erreichen wird! Sacht se, echt! [4] Wir bauen nämlich die Waffen – mit denen die Anderen die Anderen vor den Terroristen schützen – mal schön selber.

Und als würde das alles nicht genügen, behaupten die german-foreign-policy.commer zu guter Letzt, dass deutsche Konzerne eine „gewissen“ Technologietransfer bereit stellen würden, sollten sie an lukrativen Staatsaufträgen und an Privatisierungen in dem nordafrikanischen Land beteiligt werden. Als ob wir das nötig hätten, wo wir doch fast Welt- und Europameister sind. Nö, dachte ich, das sach ich der Angela, wenn se zurück iss. Die können doch nich einfach hinter ihrem Rücken …!

Na ja, und die letzte Aktion, das Ding mit der angeblich engen Militärkooperation – so sollen laut german-foreign-policy.com die beiden Marinen ihre Kontakte ausbauen, wo doch unsere Seewölfe genug mit der Friedenssicherung vor der Küste des Libanon (weil dort jede Cola-Dose, jede Flasche, die im Mittelmeer treibt, eine Bombe sein könnte) und der humanitären Hilfe für Israel beschäftigt sind und demzufolge gar nicht so viele maritime Hilfsgüter  haben können – ist die blanke Übertreibung. Das Bundesverteidigungsministerium bestreitet nämlich jegliche Zusammenarbeit, und die werden uns ja wohl nich die Hucke volllügen, oder? Unser Wirtschaftsminister fährt ja auch nicht einfach ohne Bescheid zu sagen in den Irak, um unsere Wirtschaft am RaubAufbau des Irak zu beteiligen.

Quellen:
[1] http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/57295
[2] http://www.presseportal.de/pm/9377/1039982/die_zeit/
[3] http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/bdi-chef-thumann-bangt-um-ansehen-der-wirtschaft;1392146
[4] http://volkszustandsbericht.wordpress.com/2008/03/02/angela-schlaegt-zuruck/

6 Trackbacks/Pingbacks

  1. [...] da begann ich zu weinen – vor Glück – weil ich wusste, Kohls Mädchen vertickert gerade voll kreativ Produkte aus doitscher Forschung, investiert mit doitschen Stoiergel…, in Form eines ziemlich großen Haufens Metall nach Algerien, ja genau die mit den [...]

  2. [...] erst wenn se zurück is aus Algerien – wir erinnern uns doch bestimmt was so passiert “wenn eine eine Reise tut” – ein kleine Freude so von Bürger zu Burger zu machen, entschied ich mich, einen [...]

  3. [...] Angela ist Deutschland! Diese Zustimmung betrifft also laut Umfrage zum Beispiel auch ihren jüngsten Besuch in Algerien, wo sie dafür sorgte, dass die deutsche Waffenindustrie, wie schon zuvor in Israel, mal wieder [...]

  4. [...] Reden untereinander auslosen. So eine Art Plattitüden-Bingo mit dem Handelsvertreterspruch “Na, wen können wir heute wieder einmal verarschen?“, oder so was in der Richtung. Na ja, auf jeden Fall hat doch der Wolfgang da so eine [...]

  5. [...] vorangegangenen Fragen. Angela ist Deutschland! Diese Zustimmung betrifft zum Beispiel auch ihren jüngsten Besuch in Algerien, wo sie dafür sorgte, dass die deutsche Waffenindustrie, wie schon zuvor in Israel, mal wieder [...]

  6. [...] erst wenn se zurück is aus Algerien – wir erinnern uns doch bestimmt was so passiert “wenn eine eine Reise tut” – ein kleine Freude so von Bürger zu Burger zu machen, entschied ich mich, einen meiner [...]

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