Dumm gelaufen oder die Kunst der Freiheit

“22.2 - 29.3.2008: “ZOG”, Kunstverein Tiergarten, Berlin, Germany, the exhibition will be open by Klaus Staeck. Artists behind the exhibition: Pia Bertelsen, Jan Egesborg, Stine Skøtt-Olesen and Martin Nielsen.”

Diese unscheinbare Meldung auf der Webseite - http://www.surrend.org - der dänischen Künstlergruppe SURREND - wurde der Stein des Anstoßes … für ein künstliches Spektakel feinster Coleur.

Auf der Webseite des Ausstellers http://kunstverein-tiergarten.de wurde dazu folgende Meldung veröffentlicht:

“Die vorübergehend geschlossene Ausstellung ZOG der dänischen Künstlergruppe Surrend wurde vom Bezirksamt Mitte von Berlin am 4. März wieder geöffnet. Vorausgegangen war ein Vor-Ort-Termin aller Bezirksstadträte gemeinsam mit Innensenator Körting und anderen politischen VertreterInnen. Ebenfalls zugegen waren Vertreter Berliner und bundesweiter türkischer Verbände.

Das Bezirksamt Mitte hat die Ausstellung in seine Obhut übernommen und gewährleistet mit eigenen MitarbeiterInnen die Öffnungszeiten von Dienstag bis Freitag 14 - 19 Uhr, samstags ist aufgrund dieser Veränderungen nicht geöffnet.”

Das bedeutet, der Kunstverein Tiergarten hat die Kuratel für seine Ausstellung in die Hände der Politik gelegt und sich damit schlichtweg vor der Verantwortung für sein eigenes Projekt gedrückt. Telefonisch ist niemand zu erreichen.

Was ist passiert?

Auf die am 22. Februar 2008 eröffnete Ausstellung “ZOG - Subversive Praxis im öffentlichen Raum” - wurde am 29. Februar vom Spiegel-Online, ohne den Titel der Ausstellung auch nur zu nennen, mit folgender Einführung hingewiesen:

“Eine deutsche Premiere im Kampf der Kulturen: Muslime sorgten mit Drohungen dafür, dass eine satirische Plakat-Ausstellung geschlossen wurde. Die Behörden verfallen in Schockstarre - dabei geht es um nichts weniger als die Kunstfreiheit.”

Was ist der als satirisch erklärte Inhalt dieser Ausstellung, deren vorübergehende Schließung die Freiheit der Kunst bedroht?

Zitate von Spiegel-Online:

Stein des Anstoßes ist buchstäblich ein Stein - nämlich die Kaaba in Mekka, das zentrale Heiligtum aller Muslime. Auf einem der Plakate sind die Kaaba und sie umrundende Pilger abgebildet, dazu der große Schriftzug “Dummer Stein”. Daneben hängt das Plakat eines orthodoxen Juden mit schwarzem Hut, der Kommentar: “Dummer Hut”

Am Dienstag entdeckten zwei junge Musliminnen das Plakat. Sie erklärten Galeriemitarbeitern, dass es ihre Religion beleidige und dass es abgehängt werden sollte.

Schließlich forderte eine Handvoll aufgebrachter muslimischer Männer das sofortige Abhängen des Plakats: “Sonst fliegen Steine!

Der Kunstverein Tiergarten schreibt zur Ausstellung weiter:

“Die aktuellen Aktionen und Projekte von Surrend sind von der absurden neonazistischen Verschwörungstheorie ZOG angeregt, die auch in Teilen der arabischen Welt und im links-autonomen Milieu immer mehr Anhänger findet.

Mit den neuen Produktionen attackiert Surrend sowohl die neonazistische Propaganda und die Theorie des ZOG (Zionist Occupied Government), zielt gleichermaßen aber auch auf die israelische Politik und radikale jüdische Gruppierungen, die mit ihrer negativen und rassistischen Haltung gegenüber der arabischen Welt häufig für jene allerorten vermutete Verschwörung Anlass bieten. Surrends neues Projekt besteht aus 22 politischen Plakaten, die von der deutschen Plakat- und Karikaturtradition beispielsweise eines John Heartfield ab.”

Wikipedia zum Begriff “ZOG”:

Zionist Occupied Government (kurz ZOG – englisch für „Zionistisch besetzte Regierung“) ist ein bei US-amerikanischen rechtsextremen sowie dezidiert neonazistischen Bewegungen wie Aryan Nations übliches antisemitisches Schlagwort für die US-amerikanische Regierung.

Der Ausdruck sagt aus, dass die Regierung von Zionisten – hierbei ist teilweise unklar, ob nur Zionisten oder alle Juden gemeint sind – „besetzt“ bzw. „erobert“, also fremdbestimmt sei und demnach das „weiße“ amerikanische Volk nicht repräsentiere, sondern unterdrücke. Damit wird versucht, den klassischen Topos der jüdischen Weltverschwörung in eine für die politische Propaganda in den USA wirksame Form zu bringen.

Vorläufiges Fazit:

Eine Gruppe Künstler will mit satirischer Provokation sowohl Antisemitismus im Allgemeinen, als auch die Politik Israels gegenüber der arabischen Welt kritisieren. So weit, so gut, so edel die Absicht.

Was entspricht an dem von Muslimen beanstandeten Plakat dem erklärten Ziel der Ausstellung?

Nehmen wir zur Analyse den direkten Vergleich des Steins des Anstoßes mit seinem unmittelbaren Nachbarn, dem Bild mit dem Titel “Schwarzmalerei” und dem „provokanten“ Schriftzug “Dummer Hut”, worunter ein jüdischer Junge in orthodoxer Tracht, also auch einem dazugehörigen Hut, seine Schläfenlocken in die Länge zieht. Der weitere nebenstehende Text trifft folgende Aussage:

“Wir ficken mit einem Loch im Laken und jagen die primitiven Araber auf die Bäume, wo sie hingehören.”

Die hier geäußerte offensichtliche Kritik an der israelischen Besatzungspolitik erfüllt durchaus einen Teil des implizierten Anspruchs der Ausstellung - die dazu benutzte Metapher eines traditionellen Reinlichkeitsanspruchs mit der Darstellung der politisch motivierten Abwertung einer anderen “Rasse” ist durchaus ein Mittel zur Offenbarung des Unterschieds zwischen Reden und Handeln seitens der israelischen Politik. Die Schlagzeile “Dummer Hut” kann als künstlerische Freiheit durchgehen – eventuell als Hinweis zum Nachdenken. Inwiefern jedoch der Bezug zum eigentlichen Thema - dem Begriff “ZOG” - Zionist Occupied Government - und seiner Verwendung gegeben ist - außer der Möglichkeit einer sicher ungewollten Rechtfertigung, bleibt mir verschlossen. Das mag daran liegen, dass ich den künstlerischen Quantensprung einfach nicht schaffe. Ich gebe zu, dass Konzeptkunst nicht immer einleuchtend ist, nehme mir aber die Freiheit des Anspruchs auf Klarheit und Direktheit gerade von Konzept- und Aktionskunst, welche sich auf eine ihrer zeitgenössischen Wurzeln, die Fluxus-Bewegung beruft, deren wahrscheinlich bekanntester Vorreiter Joseph Beuys war. Gerade diese Symbiose von Konzept, Aktion und herkömmlichen Darstellungsmethoden in neuem Kontext bedarf einer exakten Aussage. Sonst ist der Zuschauer nur ein aktionsloser Akteur, der in die Rolle des Betrachters gezwungen wird, ohne Möglichkeit der indirekten Kommunikation mit der Absicht der oder des Künstlers. Damit wird der Anspruch des Fließens - Fluxus - hinfällig und dient dünner Makulatur. Joseph Beuys sagte “Alles ist Kunst - jeder ist Künstler” - ist deshalb “alles” Kunst? Beuys war ein politischer Künstler und sicher nicht der Meinung, das jeder Furz im Universum Kunst sei, ohne seiner künstlerischen Ansicht das alles Kunst sei zu widersprechen - wohlgemerkt „alles“ als „Großes Ganzes“.

Alles in allem wird hier eine Kleidung eines orthodoxen Juden an einem Talmudschüler in Verbindung gebracht mit einer Aussage über die Diskrepanz der tradierten und zelebrierten Reinlichkeit der jüdischen Spiritualität im Vergleich zum “zeitgenössischen” Umgang mit den palästinensischen Zwangsexilanten des heutigen Gelobten und verfluchten Landes. Das mag man bedenklich finden, jedoch wurde dem Anspruch der Kritik Genüge getan mit einer zutreffenden und erfreulichen Simplizität des Sujets. Wage Aussage, hoher Wiedererkennungswert bei minimalen Kollateralschäden – ein kleines Zeichen von Provokation mit der Chance einer Aussage. Ob es Kunst ist mag dem Betrachter überlassen bleiben. Etwas anders verhält es sich bei dem zweiten Protagonisten dieses Vergleichs.

Der Dumme Stein des Anstoßes.

Dummer Stein Die Kaaba, dem arabischen Wort für Kubus, abgeleitet von der Form des damit bezeichneten Bauwerks in der “Ehrwürdigen” Stadt Mekka, der Geburtsstadt des Propheten Mohammed und heiligsten Stadt der Moslems, ist alljährlich das Ziel von 2,5 Millionen Muslimen, welche zur Haddsch, der traditionellen Pilgerfahrt zu diesem Wallfahrtsort - der Kaaba wandern. Die Kaaba ist das Heiligtum des Islam schlechthin und jeder Muslim ist sehr bemüht, diese Reise einmal in seinem Leben anzutreten, um dort u. a. die heilige Kaaba siebenmal zu umschreiten. Diese Reise zählt zu den fünf Säulen des Islam und findet jährlich während des Monats Dhu l-hiddscha statt. Die Pilgerfahrt hat am achten, neunten und zehnten Tag des Monats Dhu l-hiddscha ihren Höhepunkt und endet im Opferfest Id ul-Adha, welches vom 10. bis zum 13. Dhu l-hiddscha begangen wird. Der 10. Dhu l-hiddscha im Jahr 2008 ist - Verschwörungsliebhaber werden einen Herzstillstand bekommen - der 11. September. Bei diesem Opferfest wird des Propheten Ibrahim (Abraham) gedacht, der die göttliche Probe bestanden hatte und bereit war, seinen Sohn Ismael (vgl. Isaak) Allah zu opfern. Um die Wichtigkeit zu demonstrieren sei das folgende Bild empfohlen:

Kaaba

Wiederum ausgehend vom Anspruch der Ausstellung - ich wiederhole - der Attacke sowohl auf die neonazistische Propaganda und die Theorie des ZOG, aber auch auf die israelische Politik und radikale jüdische Gruppierungen, die mit ihrer negativen und rassistischen Haltung gegenüber der arabischen Welt häufig für jene allerorten vermutete Verschwörung Anlass bieten - muss ich bei diesem Versuch der Nachrichtenübermittlung bei allem Verständnis für Grenzenlosigkeit der Kunst als Künstler und Betrachter konstatieren - Leitung besetzt.

Lieber Jan Egesborg, liebe Pia Bertelsen als Initiatoren, liebe Gäste Martin Nielsen und Stine Skoett-Olsen, was wollt Ihr mir als Betrachter sagen, wenn Ihr die Kaaba mit “Dummer Stein” kommentiert?

Die Kaaba ist in ihrer spirituellen Bedeutung vergleichbar mit der Bundeslade der Juden und dem Petersdom der Katholiken.

Die Bundeslade

Als Bundeslade (Aron ha’brit) wird ein Kultgegenstand des Volkes Israel bezeichnet. Sie enthielt nach Darstellung der Tora die Steintafeln mit den Zehn Geboten, die Mose von Gott erhielt. Sie ist bis heute Symbol für den Bund Gottes mit dem Volk Israel (daher der Name „Bundeslade“).

“Die Bundeslade ist die Wohnung der Tora, unsere Grundlage und unser Ruhm. Wir müssen daher grösste Verehrung und Respekt zeigen.”

Bundeslade

Die Bundeslade fand nach Jahren der Wanderung ihren festen Platz in Zion, womit ursprünglich eine im Alten Testament der Bibel erwähnte befestigte, vorisraelische Stadt der Jebusiter auf dem südöstlichen Hügel von Jerusalem bezeichnet wurde. Die Überführung der Bundeslade auf den Berg Zion erfolgte durch David und in den Tempel zu Jerusalem durch Salomo auf dem Moriah-Plateau, dem sogenannten Jerusalemer Tempelberg.

Der Petersdom

Der Petersdom beherbergt das Grab von Petrus, dem ersten Jünger von Jesus. Eine Stelle im Matthäus-Evangelium beschreibt die Aussage von Jesus: “Du bist Petrus und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen. Und dir will ich geben die Schlüssel über das Himmelreich.” Diese Worte Christi, auf die sich auch das Papsttum begründet, wurden später in der Kuppel des Petersdoms in zwei Meter hohen, lateinischen Lettern verewigt:

“Tu es Petrus et super hanc petram aedificabo ecclesiam meam, et tibi dabo claves regni caelorum.”

Petersdom

Der Petersdom ist also die symbolische Pforte zum katholischen Himmel. Alle sechs Glocken werden nur bei besonderen Anlässen geläutet; nach dem päpstlichen Segen urbi et orbi an Weihnachten und Ostern, nach dem Angelus am Hochfest Peter und Paul und nach der erfolgreichen Wahl eines neuen Papstes. In ihm befindet sich ebenfalls das Schweißtuch der Veronika. Als Sudarium oder Schweißtuch bezeichnet man das in der römisch-katholischen Kirche als kostbare Reliquie verehrte Tuch, welches der Legende zufolge Veronika dem Heiland bei seinem Gang nach der Richtstätte zum Abtrocknen des Schweißes reichte, und dem jener seine Gesichtszüge eindrückte. Da aber das Tuch dreimal zusammengelegt gewesen sei, so seien, heißt es, drei gleiche Abdrücke des Gesichts entstanden, von denen einer in Jerusalem geblieben, die anderen nach Rom und Jaén in Spanien gekommen seien.

Wo ist der Witz?

Satire (lat. satira; von satura lanx: „mit Früchten gefüllte Schale“, im übertragenen Sinne: „bunt gemischtes Allerlei“; früher fälschlich auf Satyr zurückgeführt, daher die ältere Schreibweise Satyra) ist eine Spottdichtung, die mangelhafte Tugend oder gesellschaftliche Missstände anklagt.

Bitte erklärt mir anhand welcher Merkmale es mir als Betrachter in den Geist gelegt ist, in Eurer kommentierten Kaaba den Anspruch einer satirischen Attacke auf Antisemitismus, ZOG und die israelische Politik zu erkennen? Was ist Satire oder gar Kunst an der völlig irreführenden Verwendung heiliger Symbole zum Zweck der unzweckmäßigen Provokation von Unbeteiligten, welche am Grund der Provokation - Attacke … usw., keine Kunst sondern Verachtung für ihre Kultur wahrnehmen? Kunst muss ins Schwarze treffen, aber nicht ins Leere. Weder die Kaaba selbst, noch ihre Degradierung vom Heiligen Symbol zu einem Stein – was sie nicht ist, dem Abwesenheit von Intelligenz unterstellt wird, was die Unterstellung von Intelligenz wiederum bedingt, erscheint mir einfach so dermaßen an den Haaren herbeigezogen, dass ich mich ernsthaft frage, ob Ihr gezielte Provokation als Kunst verkaufen wollt. Weil ihr wisst, dass damit im Moment gut Aufsehen zu erregen ist? Sind Schlagzeilen ein Zeichen von Kunst? Ist das Fluxus?

Diese Ausstellung findet in einem Stadtteil von Berlin statt, in dem sehr viele Muslime zu Hause sind. Die Galerie, in der diese schlechten Provokationen hängen, wurde zum Zweck der Integration moderner Kunst in einen kulturell vielschichtigen Stadtteil von Berlin eröffnet. Was glaubt ihr wieviele Muslime diese Galerie in integrativer Form erinnern werden?

Ich hatte zweimal die Gelegenheit diese Galerie zu bespielen. Die erste Installation war Teil eines Programms mit dem Titel “Von der Angst”. Ein Mitglied unserer Gruppe probte vor den großen Fenstern, welche den Straßenpassanten die Möglichkeit der Einsicht gab. In dem großen und hell erleuchteten Raum bewegte sich die Künstlerin mit winzigsten Schritten langsam in der Diagonale. Sie hatte eine schwarze Mütze über das Gesicht gezogen, hielt ihre Hände wie gefesselt vor sich und war bekleidet mit einem orangefarbenen Overall - mehr nicht. Binnen fünf Minuten war die Straße voll mit Menschen - gemäß der Bevölkerungstruktur vorwiegend Muslime - welche durch die Fenster starrten. Ich befand mich draußen und war erstaunt über das nicht unheimliche Schweigen der Betrachter - Männer, Frauen, Kinder. Als die Probe vorbei war, schauten alle in Gedanken vor sich hin und nickten traurig mit den Köpfen, bevor sich die Familien wieder sammelten und langsam weitergingen. Das hat jeder verstanden.

Aber warum eine solche Aktion? Waren die 140 Menschenopfer der so genannten “Karikaturen” der Kunst, welche veröffentlicht wurden, wobei unter anderem ein mit einem Hund kopulierender Muslim abgebildet wurde, der Prophet Mohammed als Pädophiler oder mit einem Schweinsgesicht, nicht genug an scheinheiliger Debatte über die Kunstfreiheit als Makulatur für Rassismus? Wofür das alles? Warum nutzt Ihr den zweifelhaften Ruf für Eure Aktion? Für die Kunst? Für die Freiheit der Kunst? Ist das Kunst?

Dann ist der Zaun in Israel ebenso Kunst.

Art Of Exemption

Aber das Beste zum Schluss. Am 05. März 2008 schlagzeilte wiederum Spiegel-Online: “Dänen werfen Ikea Sprach-Chauvinismus vor” , und fuhr fort:

“In Dänemark kochen die Emotionen gegen Ikea hoch: Forscher haben herausgefunden, dass das schwedische Möbelhaus nur Fußmatten und billige Auslegeware nach dänischen Orten benennt - Edel-Möbel dagegen tragen schwedische Namen. Jetzt sinnen stolze Dänen auf Rache.”

Vor allem Forscher fanden es heraus! Sehr ihr, liebe stolze dänische Kollegen, auch IKEA ist sich nicht zu schade für Satire und Kunst am Geist der geliebten Tradition.

Vielleicht wäre eine Aktion in Dänemark nötig?

Weitere kritische Reaktionen out of Mainstream:

Surrend! Or we bore you to death!

Moslems sind Objekte, keine Subjekte

Ein Kommentar

  1. Veröffentlicht Freitag, 7. März 2008 (66/10) in 16:41 | Permalink

    Update: »Wir hoffen sehr, dass es nicht zu Angriffen kommt«

    Jan Egesborg gab der Jungle-World ein sehr interessantes Interview. Da sich in Berlin lebende Muslime gegen die Verunglimpfung ihrer Religion wehren, werden sie automatisch mit Extremisten in Zusammenhang gebracht um damit aufzuzeigen, wie wichtig die “Satire” der Kaaba war. Eine sich selbsterfüllende Prophezeihung. Hier einige Auszüge:

    “Kunst darf nicht zensiert werden, auch nicht durch eine aufgebrachte Öffentlichkeit. Zurzeit findet ein großer Kampf um Kunstfreiheit in ­Europa statt.”

    “Es ist eine Tragödie, dass eine Kunstausstellung nur unter Polizeischutz stattfinden kann. Die Situation erinnert mich an die dreißiger Jahre in Deutschland. Damals war es auch sehr schwierig, politische Kunst zu machen, und es gab auch diese Stimmung gegen die Freiheit Kunst, gegen »entartetete Kunst«. Da gibt es eine Parallele. Das ist sehr gefährlich.”

    “Es ist ein sehr wichtiges Signal, wenn die staatlichen Institutionen zeigen, dass solche radikalen Gruppen, die Demokratie und Meinungsfreiheit zerstören wollen, nicht toleriert werden.”

    “Es gab keine Möglichkeit, mit diesen radikalen Muslimen zu kommunizieren. Sie wollen keinen fried­lichen Dialog. Ihre Mittel sind Drohungen und Gewalt. Das ist inakzeptabel.”

    “Das Thema ist vielmehr die antizionistische Verschwörungstheorie der Neonazis. Aber wir wollten eine ausgewogene Ausstellung machen, und diese Verschwörungstheorie lebt auch in der Welt radikaler Muslime. Auch sie denken zum Beispiel, dass die Juden hinter 9/11 stecken. Also mussten wir auch dazu Plakate machen.”

    “Das Sonderbare ist, dass die radikalen Muslime denken, man müsse sie sensibler behandeln als alle anderen Gruppen. Aber wenn man sich die Karikaturen anschaut, die über Juden in der arabischen Welt gemacht werden, sieht man, wie wenig sensibel sie selbst sind, im Gegenteil, sie sind extrem hart. Die radikalen Muslime denken, die Öffentlichkeit sollte sie in einer Weise behandeln, wie sie es selbst mit anderen nicht tun.”

    “Man kann praktisch überhaupt keine Satire mehr über Muslime machen. Diese radikalen Muslime in der arabischen Welt, aber auch im Westen denken wirklich, dass die Zionisten hinter allem stecken.”

    “Die Ausstellung ist speziell für Deutschland konzipiert. Wegen dessen Vergangenheit, und weil wir denken, dass die Neonazis ein großes Problem sind in Deutschland. Deshalb wäre es wirklich ein Desaster, wenn die Ausstellung nicht fortgesetzt werden könnte. Ich hoffe sehr, dass es nicht zu Angriffen kommt. Wir haben Angst vor diesen muslimischen Radikalen, sie machen den gleichen Mist wie die Nazis.”

    Fazit: Es ist das gleiche Schwarz/Weiß-Denken, wie den Radikalen vorgeworfen wird. Unreflektierte Gleichstellung aller Muslime mit Extremisten. Kritik an Kritik ist Extremismus. Kunst muss alles dürfen, sonst ist sie in Gefahr. Ist dann nicht auch die Reaktion der Muslime “Kunst”?

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